Hintergrund

Warum jetzt ein Bürgerbegehren 7000 Bäume für Augsburg?

Die weitere Frage könnte lauten: Warum erst jetzt? Denn die Augsburgerinnen und Augsburger begleiten seit über drei Jahren die altaugsburggesellschaft darin, ein Konzept für die systematische Begrünung der Innenstadt zu erarbeiten, genauer: für unser denkmalgeschütztes Ensembles Altstadt Augsburg. Auf dem Weg, den die altaugsburggesellschaft in jeder Phase unter aufmerksamer öffentlicher Beteiligung beschritten habt, wurden Brücken gebaut aber auch Hindernisse entdeckt. Das Wesen öffentlicher Debatten wird durch Interessenkonflikte bestimmt und spornt einen gemeinnützigen Verein an, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wenn wir zurückblicken, müssen wir feststellen, dass auf der Seite der politisch Verantwortlichen entgegen anfänglicher Euphorie keine echte Entwicklung zu erkennen ist. Betrachten wir beispielhaft drei Projekte, um dies nachzuvollziehen.

Rathausplatz

Zum Auftakt wurde 2023 durch die altaugsburggesellschaft ein Plan zur Begrünung des Rathausplatzes mit Großbäumen vorgelegt, der sich als Ergebnis des internationalen Ideenwettbewerbs Kaisermeile aus dem Jahr 1998 legitimiert, veröffentlicht in Heft 1, Planen und Bauen der Stadt Augsburg. In Abstimmung mit dem zuständigen Marktamt wurde nachgewiesen, dass dieser Vorschlag ohne Einschränkungen für den Weihnachtsmarkt realisierbar ist.

Gleichzeitig forderte ein fraktionsübergreifender Antrag im Rathaus die Prüfung dieses und weiterer Vorschläge der altaugsburggesellschaft durch die Verwaltung. Diese Prüfung hat nie stattgefunden, sondern wurde für den Rathausplatz durch die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie ersetzt, deren Grundlagen nun wiederum seit drei Jahren auf einem politischen Schlingerkurs in Richtung „Nicht-Realisierung“ verschoben werden.

Fuggerstraße

Die langjährigen Planungen zur Fuggerstraße mündeten vor drei Jahren in den Beschluss zum Erhalt der bestehenden, bis heute systematisch vernachlässigten Alleebäume. Die aktuell beschlossene Planung sieht bis zur Eröffnung des Staatstheaters im Jahr 2030 die hälftige Erneuerung der Straße unter provisorischer Verwendung von Kübelbäumen und vielfältiger Stadtmöblierung vor.

Ein Konzept zur beidseitigen Sanierung des Straßenzuges und zur optimalen Ergänzung der ursprünglich vier Alleereihen mit klimatisch wirksamen erdverwurzelten Bäumen wurde dementgegen nicht vorgelegt.

Begrünung der Ost- West- Schneise unserer Altstadt

Der autogerechte Straßenzug Grottenau, Karlstraße, Leonhardsberg wird seit seiner Entstehung in den 1950er Jahren als brutaler Eingriff in den historischen Stadtgrundriss verurteilt. Die Agenda zahlreicher Wahlprogramme der vergangenen Jahrzehnte hat gebetsmühlenartig die Begrünung dieser Schneise durch Großbäume gefordert. Das jüngst beauftragte Baumkonzept Nördliche Innenstadt beinhaltet an dieser Stelle jedoch wenige, allenfalls als „Alibigrün“ zu bezeichnende Standorte. Dieses von der aktuellen Stadtregierung als großer Erfolg gefeierte Konzept aus dem Jahr 2023 muss als völlig unzureichend bewertet werden. Stellt es doch lediglich an einem Bruchteil der ursprünglich angedachten Plätze tatsächlich neue Baumstandorte zur Verfügung. Entgegen den von der ÖDP seit Jahren geforderten flächendeckenden Neuschaffungen von Baumstandorten im gesamten Stadtgebiet, deckt das Baumkonzept Innenstadt Nord nur einen Bruchteil des Stadtgebietes ab. Auch die jährlichen Fällungen im Stadtgebiet können derzeit nur mit knapper Not durch die gleiche Anzahl von neugepflanzten Jungbäumchen ‚kompensiert‘ werden. Um hier eine klimarelevante Verbesserung zu erreichen bedarf es sehr viel ambitionierterer Anstrengungen im gesamten Stadtgebiet. Und damit erklärt sich auch die Notwendigkeit unseres Begehrens 7000 Bäume

Unsere digitale Veröffentlichung der Planungsskizzen zur Begrünung der Innenstadt in Verbindung mit den Formulierungen für ein Bürgerbegehren 7000 Bäume startet zu einem Zeitpunkt, der mit Blick auf die Kommunalwahl am 08. März 2026 eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit erwarten lässt. Bitte informieren Sie sich detailliert und fragen Sie gerne nach. Ein Quorum für das formulierte Begehren wird für die Zeit nach der Wahl und die darauffolgenden Koalitionsverhandlungen angestrebt. Im besten Fall machen sich die Parteien vorausschauend die Inhalte zu eigen und schaffen entsprechende Grundlagen zu deren Realisierung.